II. Markgrafenzeit Teil 2

 

1603 verstarb Markgraf Georg Friedrich I. Mit ihm starb die ältere Linie der Hohenzollern aus.

Markgraf Christian übernahm die Regierungsgeschäfte. Er begründete die jüngere Linie der

fränkischen Hohenzollern. Als neue Residenzstadt wählte er Bayreuth. Er wollte Frauenaurach

als kleine Nebenresidenz ausbauen. Um dort logieren zu können, brauchte er ein fürstliches Gebäude.

 

1616 wurde mit den Arbeiten für dieses fürstliche Gebäude begonnen. Markgraf Christian holte sich

für die Planung Jacob Wolff d. J., den berühmten Nürnberger Baumeister der Renaissance. Zu Ausarbeitung

von Plänen zu den Bauten Markgraf Christian's in Frauenaurach  erhielt er im Frühjahr 1616 vier

Tage Urlaub,…“[1]

 

[1] Mummenhoff, Ernst, "Wolff, Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 44 (1898), S. 34-37

 

 

Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth,

André Karwath, Plassenburg

 

Diese Bauakten beschreiben die nötigen Baumaterialien und Aufteilung der Räume. 98 Fenster sollte

das Gebäude haben, sowie 50 Türen. Insgesamt sollte der Bau 9758 Gulden kosten.  

Ein Steinbaumeister, wie Jacob Wolff, ein anerkannter Baumeister, hatte damals einen Jahreslohn

von 180 Gulden. 9758 Gulden war also eine beachtliche Summe, deshalb muss es auch ein

beachtlicher Bau gewesen sein. Er war 72,50 m (262 Schuh) lang, 11,55 m (35 Schuh) breit

und 9,65 m (35 Schuh) hoch.[2] Dieses fürstliche Gebäude wurde genau an der Stelle des

ehemaligen Dormitoriums (Schlafhaus der Nonnen) errichtet.

 

[2]  Handbuch für das Nürnberger Zeughaus von 1542: Stadtschuh 30 cm,

Werkschuh bei Bauarbeiten 27,5 cm. 

 

 

 

 Auszug aus der Baubeschreibung von Jacob Wolff d. J. für Mark-

 graf Christian und seinen Bauten in Frauenaurach. Aus den Bau-         

 akten im StAB C60 Nr. 12899:

 

Das Schloss hatte 7 Zwerchgiebel.

Durch zwei Portale gelangte man

hinein. Im Erdgeschoss war ein

großer Saal, eine Waffenstube, vier

fürstliche Gemächer mit Vorsaal und

kleiner Küche. Im Obergeschoss befanden sich 14 Räume und im Dach nochmals Stockwerke. Im Erd-und Obergeschoss gab es je einen langen Gang, von dem man die einzelnen Räume betreten konnte.

Vom Obergeschoss gelangte man

durch eine Tür in die Kirche. Zwei Treppentürme an der Südseite führten zu den oberen Geschossen.  Außerdem gab es noch verschiedene Kellerräume.

Leider konnten wir keine Aufrisspläne vom Schloss in den Bauakten finden. Dieses Bild ist eine Rekonstruktion. So könnte das Gebäude ausgesehen haben.[1] [2]

 

 

 

 

 

  Markgrafen-Schloss in Frauenaurach 1616 – 1858, Zeichnung (Rekonstruktion) J. T'fyllidis, 2019

 

  [1] Vergleiche bestehende Bauwerke von Jacob Wolff d. J.: Baumeisterhaus in Nürnberg, Schloss Schwarzenberg in Scheinfeld und Umbaupläne des

     Gebäudes in ein Getreidemagazin von Georg Letsch von 1788, StAB C 60 Nr. 12901.

 [2] Das brandenburg-bayreuthische Markgrafenschlösschen in Frauenaurach, Else Schumacher, in: Erlanger Bausteine zur Fränkischen Heimatforschung

     35, 1987, Hrsg. Heimatverein Erlangen und Umgebung e.V., S. 41-51

 

Der Markgraf konnte das Schloss nur kurze Zeit mit Leben erfüllen.

 

1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus, der sich bald in unserer Region auswirkte. Der Markgraf zog sich zurück.